IP-Recruiting 2026: Weniger Ausschreibungen – Chance für kleinere Kanzleien?

Wer schon einmal als kleinere Patentanwaltskanzlei rekrutiert hat, kennt das Dilemma:

Gute Leute sind rar – und wenn passende Profile wechselbereit sind oder Absolventinnen und Absolventen neu in den IP-Bereich einsteigen wollen, bekommen häufig große Kanzleien oder Industrie/Inhouse den Zuschlag.

Genau deshalb haben wir den Markt über einen längeren Zeitraum (fast drei Jahre) beobachtet. Nicht aus Neugier, sondern um eine sehr praktische Frage zu beantworten:

Wann ist ein guter Zeitpunkt, um aktiv nach geeigneten IP-Personal zu suchen – und wann ist der Wettbewerb besonders hart?

Unser „Barometer“: kandidatentreff.de

Als Indikator haben wir www.kandidatentreff.de genutzt – eine in der deutschen IP-Community seit vielen Jahren etablierte Website. Da die meisten relevanten Ausschreibungen in Deutschland auch dort erscheinen, eignet sich die Entwicklung der Anzeigen gut als Indikator für die Marktlage.

Wir haben drei Rollenprofile betrachtet:

  • Patentanwältinnen und Patentanwälte
  • Patentanwaltskandidatinnen und Patentanwaltskandidaten
  • Büropersonal

Deutlicher Rückgang über alle drei Gruppen

Über alle Kategorien hinweg zeigt sich ein klarer Trend: In jedem Rollenprofil ist die Zahl der gleichzeitig ausgeschriebenen Stellen auf kandidatentreff.de deutlich gesunken.

Bei Patentanwältinnen und Patentanwälten sowie Patentanwaltskandidatinnen und -kandidaten zeigt sich ein klarer Rückgang:

Im April 2023 wurden noch 44 Ausschreibungen für Patentanwältinnen und Patentanwälte und 36 Ausschreibungen für Patentanwaltskandidatinnen und -kandidaten gezählt.

Im April 2024 waren es nur noch 32 Ausschreibungen für Patentanwältinnen und Patentanwälte und 23 Ausschreibungen für Patentanwaltskandidatinnen und -kandidaten.

Im April 2025 ging die Zahl weiter zurück auf 30 Ausschreibungen für Patentanwältinnen und Patentanwälte und 19 Ausschreibungen für Patentanwaltskandidatinnen und -kandidaten.

Im Februar 2026 waren lediglich 14 Positionen für Patentanwältinnen und Patentanwälte und 11 Positionen für Patentanwaltskandidatinnen und -kandidaten ausgeschrieben.

Beim Büropersonal zeigt sich ein ähnliches Bild:

Im April 2023 wurden 80 Stellen für Büropersonal ausgeschrieben, im April 2024 noch 59 und im April 2025 50. Im Februar 2026 waren es nur noch 30 Stellen für Büropersonal.

Kurz gesagt: Der Markt wirkt heute spürbar „leiser“ als noch vor dreiJahren.

Woran könnte das liegen?

Eine einzelne Ursache gibt es vermutlich nicht. Denkbar ist vielmehr eine Kombination aus mehreren Entwicklungen:

  • Konjunkturelle Unsicherheit in Deutschland: In einer schwachen Konjunktur werden Budgets vieler Industrieunternehmen zurückhaltender geplant – auch bei externen Ausgaben (z. B. Beratung/Consulting). Das bekommen möglicherweise auch Kanzleien zu spüren – und Stellen werden entsprechend vorsichtiger oder seltener nachbesetzt.
  • KI-Tools verändern Arbeitsabläufe: Viele Arbeitsschritte lassen sich inzwischen unterstützen oder teilweise automatisieren. Gleichzeitig ist noch offen, wie schnell und in welchem Umfang sich diese Entwicklung in der IP-Praxis fortsetzt. Diese Unsicherheit kann zu Zurückhaltung bei Neueinstellungen führen.

Was bedeutet das für kleinere Kanzleien?

Wenn insgesamt weniger ausgeschrieben wird, kann das für kleinere Kanzleien eine echte Chance sein: Gute Leute sind weniger stark umworben – und offener für Alternativen jenseits der „üblichen Verdächtigen“.

Ein zusätzlicher Vorteil kleinerer Kanzleien ist zudem das, was viele Bewerber gerade in unsicheren Zeiten stärker gewichten: Kontinuität und Stabilität. Während in der Industrie aktuell vielerorts restrukturiert wird und Stellen wegfallen, kann eine etablierte Kanzlei ein verlässlicher Arbeitgeber sein.

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