Mit diesem Beitrag setzen wir unsere jährliche Auswertung der Velberter Anmeldezahlen fort (hier geht es zum Beitrag über das Anmeldejahr 2023). Wer hat im Jahr 2024 Schutzrechte angemeldet – und wie fügt sich das Jahr in die langfristige Entwicklung ein?
Wie bereits im Vorjahresbeitrag erläutert, werden Patentanmeldungen grundsätzlich erst 18 Monate nach dem Anmelde- beziehungsweise Prioritätstag veröffentlicht. Ein weitgehend vollständiges Bild des Anmeldejahres 2024 lässt sich daher erst jetzt zeichnen. Recherchestand ist der 28. Juli 2026.
Ergebnisse für 2024
Im Jahr 2024 wurden beim Deutschen Patent- und Markenamt insgesamt 96 deutsche Patent- und Gebrauchsmusteranmeldungen von 16 Unternehmen und Privatpersonen aus Velbert eingereicht. Davon entfielen 90 auf Patente und sechs auf Gebrauchsmuster. Im Vorjahr waren es 99 Anmeldungen von 17 Anmeldern.
An der Spitze stehen – wenig überraschend – die großen Automobilzulieferer:
– Huf Hülsbeck & Fürst GmbH & Co. KG mit 40 Anmeldungen
– WITTE Automotive GmbH mit 28 Anmeldungen
Mit deutlichem Abstand folgen:
– EMKA Beschlagteile GmbH & Co. KG mit fünf Anmeldungen
– KFV Karl Fliether GmbH & Co. KG mit vier Anmeldungen
– Doppstadt Beteiligungs GmbH mit vier Anmeldungen
– JT RecTec GmbH mit drei Anmeldungen
Daneben finden sich mehrere kleinere Unternehmen und Einzelanmelder mit jeweils ein oder zwei Schutzrechten, darunter die C.Ed. Schulte GmbH Zylinderschlossfabrik (CES), Philip Weisse und die WILKA Schließtechnik GmbH. Die vollständige Verteilung auf alle 16 Anmelder zeigt das folgende Diagramm:

Es kann sein, dass einige Unternehmen parallel auch eine Vielzahl von europäischen oder internationalen (PCT) Anmeldungen eingereicht haben. Dennoch bietet die Zahl der deutschen Anmeldungen bereits eine gute Indikation für die Entwicklungsfähigkeit der Unternehmen. In der Anmeldepraxis erfolgt in der Regel zunächst eine deutsche Erstanmeldung, auf die anschließend internationale PCT- oder europäische Nachanmeldungen folgen.
So reichte die Huf Hülsbeck & Fürst GmbH & Co. KG im Jahr 2024 zusätzlich 33 europäische beziehungsweise internationale PCT-Anmeldungen ein. Bei der EMKA Beschlagteile GmbH & Co. KG waren es fünf und bei der WITTE Automotive GmbH eine weitere Anmeldung. Ein großer Teil dieser Schutzrechte beansprucht die Priorität deutscher Anmeldungen aus dem Jahr 2023.
Entwicklung der vergangenen zehn Jahre
Die langfristige Entwicklung hatten wir zuletzt im Beitrag „Patente und Gebrauchsmuster im Zeitverlauf“ eingeordnet. Mit den Zahlen für 2024 setzt sich der zuletzt erkennbare Trend fort.
Der Zehnjahresvergleich zeigt zwei deutlich voneinander abgrenzbare Phasen: Mitte der 2010er-Jahre lagen die Velberter Anmeldezahlen auf einem konstant hohen Niveau. Sie bewegten sich zwischen 146 Anmeldungen und dem Höchststand von 192 Anmeldungen im Jahr 2017.
Anschließend setzte ein schrittweiser Rückgang ein, der sich während der Pandemiejahre deutlich verschärfte. Mit lediglich 54 Anmeldungen markiert das Jahr 2021 den Tiefpunkt des betrachteten Zeitraums.
Seitdem hat sich das Anmeldegeschehen wieder spürbar erholt: Auf 75 Anmeldungen im Jahr 2022 folgten 99 im Jahr 2023 und nun 96 im Jahr 2024. Die Anmeldezahlen stabilisieren sich damit knapp unterhalb der Marke von 100 Anmeldungen pro Jahr. Dies spricht für eine kontinuierliche und strategisch betriebene Innovationsarbeit. Das Niveau der Jahre vor der Pandemie wird bislang allerdings noch nicht wieder erreicht.

Velbert im Vergleich: deutlich über dem Bundes- und Landesdurchschnitt
Bereits für das Jahr 2023 hatten wir gezeigt, dass Velbert gemessen an seiner Einwohnerzahl zu den patentstärksten Standorten Deutschlands gehört. Daran hat sich auch 2024 nichts geändert.
Bei 90 Patentanmeldungen und rund 82.000 Einwohnern entfallen auf Velbert etwa 110 Patentanmeldungen je 100.000 Einwohner. Zum Vergleich: Nach dem DPMA-Jahresbericht 2024 liegt der entsprechende Wert bundesweit bei 47 und in Nordrhein-Westfalen bei 29.
Velbert erreicht damit mehr als das Doppelte des Bundesdurchschnitts und nahezu das Vierfache des nordrhein-westfälischen Durchschnitts. Selbst im Vergleich mit den anmeldestärksten Bundesländern ist der Wert bemerkenswert: Baden-Württemberg kommt auf 137 Patentanmeldungen je 100.000 Einwohner, Bayern auf 85.
Auch bei den Gebrauchsmustern liegt Velbert mit gut sieben Anmeldungen je 100.000 Einwohner über dem Bundesdurchschnitt von sechs. Nordrhein-Westfalen erreicht hier einen Wert von acht.
Hinweis zur Statistik
Die Vergleichbarkeit ist eingeschränkt, da in den DPMA-Zahlen auch PCT-Anmeldungen mit nationaler Phase sowie provisorische Anmeldungen enthalten sind, die teils nicht veröffentlicht werden. Die tatsächliche Innovationsquote in Velbert dürfte daher sogar noch höher sein.
Fazit
Mit 96 Patent- und Gebrauchsmusteranmeldungen bestätigt das Jahr 2024 die seit 2022 erkennbare Erholung. Nach dem deutlichen Rückgang bis zum Tiefpunkt im Jahr 2021 haben sich die Anmeldezahlen inzwischen wieder knapp unterhalb der Marke von 100 Anmeldungen pro Jahr stabilisiert.
Getragen wird diese Entwicklung vor allem von den großen Velberter Industrieunternehmen. Zugleich zeigt die Beteiligung kleinerer Unternehmen und einzelner Erfinder, dass die Innovationstätigkeit nicht auf wenige Großanmelder beschränkt ist. Der Zehnjahresvergleich macht damit deutlich: Die hohen Anmeldezahlen sind kein kurzfristiger Ausschlag, sondern Ausdruck einer nachhaltig gewachsenen Innovationslandschaft – auch wenn das Spitzenniveau der Jahre vor 2020 bislang noch nicht wieder erreicht wird.